Erzähl mir deine Vergangenheit

 

Der Bus kam. Ein Mann stieg aus und blieb auf dem Trottoir stehen. Die Leute die hinter ihm ungeduldig warteten, ignorierte er. Irgendwann, als der Busfahrer ihm auf die Schulter tippte, merkte der Mann, dass er alle Passanten blockierte und so machte er lächelnd Platz. Er sah sich um.
Die Busstation war noch dieselbe, wie vor fünfzehn Jahren. Nur ein wenig grösser war sie geworden. Der Mann setzte sich auf eine alte Bank und wartete anscheinend auf einen Anschlussbus. Aber als schon mehrere Busse gekommen und gegangen waren, sass der Mann immer noch dort.
„Hallo“, hörte er plötzlich eine Stimme neben sich. Er drehte den Kopf und sah ein Mädchen. Die blauen Augen leuchteten hell und voller Lebensfreude. Es war etwa sieben Jahre alt und hatte blonde Zöpfchen.
„Hallo“, wiederholte es. „Wie heisst du?“
Der Mann blickte dem Mädchen in die Augen.
„Marc André Philippe Monico“, brummte er. Das Mädchen lachte vergnügt. Der Mann sagte nichts. Er lachte auch nicht. Er blickte in die Ferne. Schweifte mit seinen Gedanken durch unbekannte und dennoch bekannte Wälder.
„Und welchen Namen von denen magst du am liebsten?“, fragte das Mädchen weiter.
„Keinen“, sagte der Mann.
Dieses Mal schwieg das Kind. Es blickte den Mann nachdenklich an. Doch dann lächelte es.
„Ich bin Hannah! Ich wohne mit meiner Mama zwei Strassen von hier entfernt. Und ich nenne dich Finn!“, meinte das Mädchen bestimmt.
„Finn?“ Er war noch nie so genannt worden. Er war immer der Spinner. Der, der nichts konnte. Ein Kind, das nicht bei den Eltern wohnte.
Aber der Name gefiel ihm. Vielleicht auch, weil ihm das Kind Eindruck machte. Er hätte sich als Kind niemals so etwas getraut. Daran war seine Kindheit schuld. Das dunkle Kapitel seines Lebens.
„Warum sitzt du hier so lange?“, fragte Hannah.
„Ich warte auf mein Schicksal“ Wie immer, fügte er in Gedanken hinzu. Er blickte wieder auf den gelben Bus, der anhielt. Der Busfahrer lächelte ihm zu. Er hatte dasselbe Lächeln wie Max Huber. Sein Pflegevater. Finn drehte den Kopf weg. Ihm war schlecht. Dieses Lächeln erinnerte ihn an einen Stall.
Dunkelheit umgab ihn. Er konnte ihn hören. Seinen Pflegevater. Er hantierte mit einem Stück Leder. Er war ein Gurt. An dessen Ende die Schnalle war. Ein hartes Eisen. Sehr hart. Er hatte keine Angst. Es war Alltag.
Die Scheune. Der Geruch nach Blut, Schweiss und Stroh. Das Gefühl, nicht zu sein. Gehasst zu werden. Luft zu sein. Aber er war nicht Luft. Er war die schwüle Hitze, die kam und ging. Und dann, wenn es zu heiss war, wurde er geschlagen. Mit dem Gürtel. Jeden Tag.
Es war Alltag.
„Finn?“
Die blauen Augen schauten in die seinen. Er zwang sich zu einem Lächeln.
„Finn? Kann ich auch auf das Schicksal warten?“, fragte das Mädchen. Hannah machte einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Finn nickte gezwungen. So einem kleinen Mädchen konnte man nicht erzählen, was er in Wirklichkeit tat.
Sie sassen da. Schweigend nebeneinander. Hannah war nicht mehr ängstlich. Jetzt war ja jemand bei ihr, der ebenfalls auf das Schicksal wartete. Das Mädchen pfiff fröhlich vor sich hin und schaukelte mit den Füssen.
„Wo ist deine Mutter, Hannah?“, fragte Finn irgendwann.
Hannah zuckte mit den Schultern. Dann zeigte sie mit der Hand um sich.
„Arbeiten. Irgendwo eben.“
Finn sagte nichts mehr. Dafür blickte Hannah ihn interessiert an.
„Wo ist denn deine Mama?“
Finn sagte nichts. Sollte er dem kleinen Mädchen sagen, dass sie an Krebs gestorben ist? Hannah würde das nicht verstehen.
„Sie ist tot“, brummte er. „Und nun lebt sie in der Hölle!“
Hannah wich erschrocken zurück. Sie schüttelte energisch den Kopf. Doch im Moment sagte sie nichts. Sie sahen zu, wie der Bus mit dem Max-Huber-lächelnden Busfahrer verschwand. Dann traute sich Hannah wieder zu sprechen.
„Wer tot ist kommt in den Himmel. Nicht in die Hölle“, meinte sie leise.
„Nicht alle“, brummte Finn. Max Huber nicht. Wenn der in den Himmel kommt, werde ich ein Hühnchen mit Gott zu rupfen haben.
„Warum denkst du, dass nicht alle in den Himmel kommen?“, fragte Hannah.
Finn zuckte mit den Schultern. Die Behörde dürfte nicht in den Himmel kommen. Die Pflegeeltern. Der Typ vom Amt, die Pflegegeschwister.
„Leute eben.“
„Aber jeder hat es verdient in den Himmel zu kommen!“, widersprach Hannah. Finn sprang auf die Füsse und lief dem nahenden Bus entgegen.
„He Sie, gehört dieses Mädchen zu Ihnen?“, fragte der Busfahrer, als Finn bezahlt hatte. Finns Blick wanderte zu Hannah. Doch Hannah zückte ihr Abo. Der Busfahrer lächelte und liess sie durch. Hannah sprang neben Finn auf den Sitz.
„Wer darf nicht in den Himmel? Petrus lässt doch alle durch, oder nicht?“
Hannah schien nachdenklich und ängstlich zu sein. Finn hätte am liebsten ‚Nein‘ gesagt. Aber diesem Blick konnte er nicht widerstehen.
„Natürlich kommen alle in den Himmel“, lächelte er. Sein Atem wurde kürzer und schneller. Er hatte einen Knoten unter dem Magen und der drückte ständig nach oben. Seine Augen waren feucht. An seine Brust hämmerte das Herz und wollte ihn dazu zwingen, diese Aussage wieder zurück zu nehmen.
Max Huber kann nicht in den Himmel kommen! Das muss sogar Petrus einsehen!
„Wohin gehst du?“, fragte Hannah.
Finn schaute auf den Fahrplan.
„Am nächsten Halt muss ich aussteigen“, murmelte er. Eher zu sich selbst.
„Ich komme mit!“, rief Hannah aus. Finn schüttelte nur den Kopf. Er hielt die Augen gesenkt. Was, wenn jemand im Bus sitzen würde, der ihn kannte? Er und dieses laute, kleine Mädchen.
„Warum darf ich nicht mit?“, fragte Hannah nach einer Weile. Sie fuhren über das Land. Es würde noch etwa fünf Minuten gehen, bis der nächste Halt kam.
„Ich muss was klären.“
Hannah zuckte mit den Schultern. Finn wusste, dass sie nicht verstand. Aber es war nur zu ihrem Besten. Wie konnte man das verstehen, wenn man nicht selbst ein ‚Ding‘ war.
„Was ist mit Ding?“, fragte Hannah plötzlich.
Finn fuhr aus den Gedanken. Innerlich fluchte er. Weshalb musste er auch immer in Gedanken sprechen. Er würde Hannah niemals etwas über seine Kindheit als Verdingkind erzählen. Sie würde nicht begreifen.

„Nichts“, fauchte Finn.
Hanna zuckte mit den Schultern. „Du willst ein Ding haben. Und ich muss herausfinden, was es ist!“, nahm sie an. Sie blickte aus dem Fenster.
„Baum! – Stein! – Bus! – Kühe! - …“
„Entschuldigen Sie bitte“, ertönte von hinten eine Stimme, „könnten Sie Ihrer Tochter sagen, sie solle ein wenig leiser sein. Danke sehr.“
Finn drehte sich nicht um. Es hätte ein ehemaliger Schulkamerad sein können. Oder der Sohn von Max Huber. Oder jemand völlig anderes.
„Aber das sind alles ‚Dinge‘!“, meinte Hannah gerade. Finn schüttelte den Kopf.
„Um solche Dinge geht es nicht.“
Hannah war überrascht. Wenn es nicht um solche Dinge ging, um was dann sonst? Sie kannte ja gar keine andere Dinge.
„Du kennst doch die Menschen“, fing Finn an. Aber innerlich schüttelte er den Kopf. Wie sollte er so beginnen? Eine siebenjährige kannte die Menschen eben nicht! Er kannte sie. Aber er hatte auch etwas anderes erlebt, als Hannah.
„Ja“, sagte Hannah einfach.
Finn blickte sie von der Seite an. Meinte sie das Ernst? Er seufzte leise und zuckte unmerklich mit den Schultern. Er würde ihr das erklären und dann würde er sie nie mehr sehen.
„Menschen können auch Dinge sein. Sie können es werden“, erklärte er. Er nickte zustimmend und hoffte, dass dies reichen würde. Aber er hatte falsch gedacht.
„Also, ich will Pilotin werden. Ist das dasselbe?“
Finn schloss die Augen.
„Nein, ist es nicht!“, brummte er. Gedanken holten ihn ein. Er wollte sie abschütteln, aber sie klebten an ihm und rissen ihn in die Vergangenheit zurück.
„Iss. Heute gibt es viel zu Essen. Fleisch in jeder Menge. Iss nur!“, sagte Max Huber.
Der kleine Marc freute sich und ass so viel, dass ihm fast schlecht wurde. Endlich gab es Fleisch. Und das sogar für ihn. Das war ein Wunder.
Endlich hatte er genug, er stand auf und wollte gehen. Schlafen im Stall bei den Kälbchen und dem Hund Bello. Da stellte sich ihm Max Huber in den Weg.
„Du hast deinen Hund ja gar nicht lieb!“, sagte er lachend.
Der kleine Marc war eingeschüchtert. Wurde er jetzt etwa geschlagen? Er hatte doch gar nichts getan! Und was sollte das mit Bello zu tun haben? Langsam kam ihm ein Gedanke…
Doch Max Huber entnahm ihm jegliche Fantasie.
„Du hast ihn gerade gegessen!“, lachte er.
Eine Träne rann über die Wange von Finn. Bello war sein bester Freund gewesen. Nur wegen ihm hatte er sich nicht das Leben genommen. Und dann, als er von der Schule kam, war Bello geschlachtet. Tot. Und er hatte ihn gefressen! Nicht gegessen. Er hatte ihn gefressen!
„Finn?“
Doch Finn war nicht ansprechbar. Die nächste Szene kam.
Weihnachten. Geschenke waren gekommen. In allen Mengen. Von jedem Familienmitglied. Max Huber hatte alle Geschenke abgefangen. Er trug sie ins Wohnzimmer, schloss die Türe zu, zog die Vorhänge vor und verstopfte das Schlüsselloch. Dann öffnete er alle Geschenke und nahm sich alles das, was Marc hätte brauchen können. Alles.
Der kleine Marc hatte noch nie einen geschmückten Tannenbaum gesehen. Er hörte die Lieder immer nur vom Stall aus. In der Schule sagte man, um diese Zeit sei Gott in Form eines Kindes auf die Welt gekommen. Deshalb feierte man.
Feierte man ohne ihn. An Weihnachten bekam er vielleicht ein bisschen Brot, aber das war alles.
„Finn?“
Wo war all das Geld geblieben, das er bekommen hatte? Wo war all das Geld, das eigentlich ihm gehörte? Das er verdient hatte? Bei Max Huber. Wo sollte es denn sonst sein?
„Finn!“
Finn schrak aus dem Tagtraum auf. Hannah schaute ihn von der Seite her an. Finn seufzte und schaute Hannah in die Augen.
„Ist Pilotin und Ding werden dasselbe?“, fragte Hannah noch einmal.
Finn schüttelte schweigend den Kopf. Wenn Hannah seine Erinnerungen sehen würde, wäre sie jetzt still. Aber da sie die Erinnerungen nicht sehen konnte, sprach sie weiter.
„Und wo ist der Unterschied?“, fragte sie.
Finn schwieg. Er dachte nach. Wie konnte er so ein heikles Thema dem Mädchen näher bringen?
„Kennst du das, wenn du weit weg von deinen Eltern bist?“, fragte er nach einer Weile.
Hannah nickte und ihre Augen leuchteten wieder.
„Ich war zwei Wochen bei Oma! Und das ist gaaaaanz weit weg von Mama!“, strahlte das Mädchen. Finn musste lächelnd. Wie stolz Hannah auf so eine Kleinigkeit war.
„Und du hast deine Oma lieb, nicht?“
Hannah nickte. Finn dachte weiter nach. Dann kam ihm eine Idee.
„Stell dir vor, du hast deine Oma nicht lieb…“
„Ich habe sie aber lieb!“, widersprach Hannah entrüstet. Finn schwieg kurz, bevor ihm der nächste Einfall kam.
„Dann stell dir vor, fremde Leute würden kommen und dich von deiner Mama in eine fremde Familie bringen!“, sagte Finn.
Hannah schwieg. Das war für sie unvorstellbar. Fremde Leute würden kommen? Würden sie einfach von Mama wegnehmen?
„Ist dir das passiert?“, fragte Hannah. Finn nickte.
Hannah schwieg für eine Weile.
„Und hat deine Mama nichts dagegen gemacht?“
„Sie konnte nicht. Alles hat sie versucht, aber sie konnte nichts tun“, sagte Finn leise. Hannah schwieg. Neben ihr schwieg auch Finn. Seine Mutter hatte es versucht. Bis zu ihrem Tode. Und als die Todesanzeige kam, hiess es: Wegen Tod der Eltern muss der Sohn Marc André Philippe Monico weiterhin arbeiten.
Er hatte gar nicht mitbekommen, dass seine Mutter tot war. Für ihn war alles, wie immer. Es wunderte ihn nur, dass keine Geschenke mehr an Weihnachten kamen. Aber da er sie so oder so nicht bekam, fragte er sich nicht länger.

„Bist du weg von der fremden Familie?“, fragte Hannah nach einer Weile. Finn schwieg. Nicht, weil er nachdachte. Eine erneute Erinnerung kam hoch. Warf ihre Wellen über Finns Kopf und zog ihn in den Bann der Vergangenheit.
Dunkelheit. Bäume. Wurzeln. Bei jedem Geräusch fuhr er herum. War es schlau? Eigentlich wollte er nicht fliehen. Aber nun war es zu spät, um umzudrehen. Er wäre so oder so geschlagen worden. Aber vielleicht war es momentan mehr. Vielleicht würde er eine härtere Strafe bekommen. Essensentzug war ja nicht mehr so schlimm. Das hatte wöchentlich sicher mehr als zwei Mal. Wenigstens bekam er von einem Klassenkameraden ein Pausenbrot.
Es knackte. Marc fuhr herum. Er blieb stehen. Schwer lastete der Rucksack auf seiner Schulter. Doch fast noch schwerer lastete die Vergangenheit. Konnte er ihr nicht entfliehen? Konnte er sich nicht eine Spritze geben und alles vergessen, was bisher war? So, wie es in seiner Fantasie war. Marc lief weiter.
Doch nicht mehr lange. Das Abenteuer wurde von der Polizei beendet. Zu Hause wurde er halbtot geschlagen. Max Huber sperrte ihn im Stall ein. Wie immer. Alltag.
„Finn!“
Finn seufzte. Er lächelte das Mädchen neben ihm an. Doch Hannah dachte nicht daran, ihm zurück zu lächeln.
„Wir müssen aussteigen!“
Finn schaute sich um. Tatsächlich. Er stand auf und folgte dem Mädchen nach draussen. Hannah wartete auf dem Gehsteig.
„Darf ich weiterfragen?“ Sie lächelte. Finn setzte sich auf die Bank und Hannah sprang neben ihn.
„Bist du von der Familie weg?“
„Ich habe es versucht.“
Hannah hob die Augenbrauen und sah ihn nachdenklich an.
„Aber weggekommen bist du nicht?“, fragte sie in Gedanken versunken.
Finn schüttelte den Kopf und dachte nach, was das nun bedeuten sollte. Hannah schwieg weiterhin. Ihre Augen waren am Horizont.
„Du und deine Mama ihr seid euch ähnlich“, sagte sie irgendwann leise. Und bevor Finn fragen konnte fuhr sie weiter: „Deine Mama hat etwas versucht sie ist dabei gestorben. Und du hast etwas versucht. Naja, und du lebst noch.“
Finn schwieg. Hannah hatte dem ins Auge gefasst, was die Realität war. Aber sie hatte nicht begriffen, dass er, Finn immer noch am Versuchen war.
Er versuchte, nach Gottes Gesetz, Max Huber zu verzeihen. Für all die Jahre, in denen er nicht nur Geschlagen wurde, sondern auch sexuellen Missbrauch über sich ergehen lassen musste. Für all die Jahre in der Hölle. In der Hölle auf Erden.
Hätte Hannah die gewusst, so würde sie keinen Unterschied zwischen ihm und seiner Mutter machen. Finn wusste, dass auch er an diesem Versuch sterben würde. Niemals könnte er Max Huber dies verzeihen. Aber sein Pfarrer hielt es für nötig. Das war der Grund, weshalb er hier war.
„Hattest du Freunde?“, fragte Hannah plötzlich.
„Freunde?“, Finn wusste es nicht. Was verstand man unter Freunde? „Meine Klassenkameraden gaben mir zu Essen, wenn ich Hunger hatte. Mein richtiger Freund war ein Hund. Mit ihm konnte ich über alles sprechen, was passiert war.“
Hannah nickte.
„Mein Freund ist immer dabei! Eine riesengrosse Maus und sie winkt mir immer, wenn ich von zu Hause weggehe!“
Finn sah weg. Er stand auf.
„Na dann. Ich habe noch etwas vor, Hannah. Wir sehen uns sicher!“
Finn lächelte. Hannah hüpfte neben ihm auf und ab.
„Ich nehm‘ dann den nächsten Bus nach Hause!“, rief Hannah aus. Ihre blauen Augen strahlten wieder. Finn lächelte. Er drückte seiner kleinen Freundin die Hand.
Gedankenverloren stand er an der Strasse. Dann betrat er die Strasse. Sein Bus fuhr auf der anderen Seite. Plötzlich hörte er hinter sich einen Schrei. Als er sich umdrehte, sah er aus den Augenwinkeln ein gelbes, grosses Auto auf sich zukommen. Er drehte sich kurz zu Hannah um. Sie starrte ihn entsetzt an. Doch als er lächelte, hob sie kurz die Hand. Als würde sie ihm winken. Dann wurde Finn vom Bus erfasst und zwei drei Meter weitergezogen.
Der Tod kam nicht überraschend. Aber als der Bus hielt und man ihn unter dem Fahrzeug hervorholte, lebte er noch ein wenig. Er erkannte Hannah. Ein Lächeln gelang ihm.
„Nun komme ich in den Himmel. Ich werde auf dich warten“, lächelte er.
„Jetzt stirbst du. Und zwar auch an einem Versuch“, sagte Hannah leise. Finn nickte mühsam. Er lächelte wieder.
„Du warst mir eine gute Freundin, Hannah. Ich werde dich nie vergessen.“
Hannah hatte noch etwas auf der Seele, das konnte er erkennen. Aber er wusste, dass sie schnell machen musste. Denn sonst war es zu spät.
„Kommen alle in den Himmel?“, fragte sie nach einer Weile.
Finn gelang nur noch ein Nicken. Dann schloss er die Augen und er stand in einem dunkeln Tunnel, wo ganz am hintersten Ende ein Licht schien. Finn war sich sicher, dass dort seine Mutter auf ihn warten würde. Mit jedem Schritt wurde die Last, die er sein ganzes Leben herumgeschleppt hatte, weniger.

autorin joleen

 

 


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